Auszug
Ovelgönne
Auszug aus der Ovelgönner Chronik:
15
Dide und Gerold.
Aber bereits im Jahre 1418 versuchten die Söhne Dide Lubbens, Dide und Gerold die Friedensburg zu stürmen und das Land vom Joche der Bremer zu befreien. In der Nacht vom 25. auf den 26. September 1418 wollten die beiden ihren Plan, die Friedeburg zu erobern, im Bunde mit Seeräubern, Friesen und Schützen von der Geest in die Tat umsetzen. Es gelang ihnen in den Burghof einzudringen, aber der Versuch, den Friedberg zu stürmen, misslang infolge der Standhaftigkeit der Besatzung, deren Befehlshaber der Burgvogt Arend Balleer war.
Das Nutzlose der Bemühungen einsehend, riet Gerold zum Abzug, wurde aber von den anderen überstimmt. So wurde bis in die Morgenstunde weitergekämpft, bis auf einmal die Schützen die Waffen von sich warfen, um sich den Bremern auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Arend Balleer, der, um mit ihnen zu verhandeln, sich zu weit vorwagte, wurde erschossen. Da erwuchs der Besatzung unerwartete Hilfe. Die Friesen aus dem Lande Wührden, die den Bremern untertan waren, kamen über die Weser um die Burg zu entsetzen. Kaum hatte Dide und Gerold die Ankunft der Wührdener erfahren, als sie auf die Brücke losstürzten, um mit ihren Leuten ins Freie zu gelangen. Aber die Neuangekommenen warfen sich ihnen entgegen, die Burgbesatzung brach aus, und das Ende war die Gefangennahme sämtlicher Angreifer. Dide und Gerold wurden nach Bremen geführt und auf den Galgen enthauptet, die Leichname aufs Rad gebunden und die Köpfe darüber gesteckt. Die Sage erzählt, Gerold habe das Haupt seines vor ihm gemordeten Bruders aufgehoben und geküsst. Dadurch sei der Rat gerührt worden und habe ihm angeboten, er solle begnadigt werden, wenn er eine Bremerin heirate und sich in Bremen niederlassen wolle. Doch er wies das Anerbieten zurück und wurde ebenfalls hingerichtet. Bremen blieb im unbestrittenen Besitz des Stad- und Butjadingerlandes.
.........
4
Alte Urkunden.
In der über der alten liegenden zweiten bedeutend jüngeren Siedlungsschicht fanden sich besonders viele Scherben von rheinischem Steingut aus dem 16. Jahrhundert.
Urkundlicher Erwähnung geschieht Golzwardens zuerst 1139. Erzbischof Adalbert von Bremen nimmt den Zehnten von Godeleswere in Schutz. Es muss aber schon erheblich älter sein, denn die Tatsache, dass es schon etwa 130 Jahre später, im Jahre 1263, eine eigene Kirche erhält, lässt den Schluss zu, dass es stark besiedelt gewesen ist. Die Urkunde über die Gründung des Kirchspiels datiert vom 1. Dezember 1263.
Als Golzwarden von Rodenkirchen getrennt wird, werden Boitwarden, Golzwarden, Helmwarden und Rolfswarden genannt. Letztere beiden sind heute verschwunden. Im 18. Jahrhundert begegnet uns noch einmal "beim Golzwarder grünen oder Helmwarder Wurp". Es besteht die Möglichkeit, dass Helmwarden bei Finkenburg gelegen hat. Tatsächlich sind hier noch zwei Hämme vorhanden (etwa 20 Jück) die höher liegen als die Umgebung und auf denen gut eine grössere Ansiedlung gestanden haben kann.
Sehr viele dieser alten Urkunden nehmen Bezug auf die Streitigkeiten der Stadländer mit dem Erzstift Bremen, dem Rat der Stadt und den Grafen von Oldenburg. So auch die vom 25.5.1384. (O. U. B. II Nr. 482).
"Greve Cord (Konrad II) von der gnade godes greve to Oldenborch unde Hugo van Schaghen zyn ametman, knape, schliessen einen Freundschaftsbund mit der Stadt Bremen umme mannigherlye schaden unde unghelyk, dat en unde uns von Husseken Hayen, Diden Egheszone, van den van Rodenkerken und ihren Helfern zugefügt ist: Wenn sie das Land zwischen der Kirche zu Ubbehusen und der Brake zu Harghen und die Kirchen zu Enemesam. Goltswerden und Rodenkerken gewinnen, so soll den Kirchen verbleiben, was da zum Gottesdienst unde tho der hilgen syrheit in den kerken gehört. Die Kirchen Esenshamm und Golzwarden werden dann entfestigt, dat ist nene rof hus blywen, jedoch so schal dar also vele van stone blywen, dat it godeshus blywen."
Doch Golzwarden und sein Häuptling Dide Eggesen, der wahrscheinlich seinen Sitz auf der Finkenburg hatte, versöhnten sich mit dem Rat von Bremen. Die darüber ausgefertigte Urkunde datiert vom 12.7.1384. (O.U.B. II. 485).
Hierin werden "de veer buringhe tho Goltswerden" genannt.
Ausser dem Namen sind Spuren der alten Finkenburg noch heute vorhanden. Es ist eine Erhöhung, die rings von einer Vertiefung, wahrscheinlich dem ehemaligen Burggraben, umgeben ist. Nach der Vertiefung bemerkt man wieder einige Erhöhungen, augenscheinlich Überreste eines Walles. Über die Pieksburg und die Helkenburg finden sich keine geschichtlichen Nachrichten. Ob sie auch Häuptlingssitze gewesen sind, steht ebenfalls dahin. Häuptlinge zu Schmalenfleth sind uns mehrere bekannt. Hamelmann nennt sie in seinen Briefen z. B. Aeko, Edo, Aword und Edolf von Schmalenfleth.
Dass die Stadländer, besonders wohl die Häuptlinge, sich manche Übergriffe und Gewalttaten gegen die Bremer erlaubt haben, bei diesen deshalb in schlechten Geruch standen, beweist uns eine Urkunde jener Zeit. Der Bremer Rat hatte die Einwohner der beiden Kirchspiele Rodenkirchen und Golzwarden verklagt, einen Bremer Fischer ermordet zu haben. Doch "Wy kerspillen luide unde inwonere der twen kerspillen to Goltswerden unde to Rodenkerken" erklären, dass keiner von ihnen die ruchlose Tat begangen hat. (O. U. B. II Nr. 594). Sie wollen mit den Bremern in Frieden und Freundschaft leben. (O. U. B. II Nr. 595):
Wyrik et communitas capetaneorum ecclasioe in Golswurde begehren die Freundschaft und suchen die Huld des Bremer Rates und wollen den Bremer Kaufleuten an allen Stücken beweisen, also de Bleckeszer edder de Rodenkerker don. Sie bitten, einen Ort zu einer Besprechung zu bestimmen, dar wy ghiu nicht to seriven edder to en beden moghen. Ghesereven under unzen inghezeghel, den wy ny es graven laten hebben."
Als dann 1414 die Bremer die verbündeten Grafen von Oldenburg, Edo Wiemeken und Dide Lubben aufs Haupt geschlagen hatten, musste Dide Lubben mit seinen Söhnen den Bremern Urfehde leisten und schwören, dass sie den Schaden, den sie in Esenshamm, Rodenkirchen und Golzwarden von den Bremern erlitten hatten, niemals "wyten effte wreken" wollen und dass sie "in dene Vreeschen Stade" nur mit Einwilligung des Bremer Rates wohnen werden. Auch Oldenburg schliesst 1416 Frieden mit den Bremern. (O. U. B. II Nr. 621): 1416, Juli 25.
"Wy kersten van dodes gnaden greve to Oldenborch bekennet unde betughet, dat de rad to Bremen vruntliken is van uns ghescheden unne alle sake, de wy unde de unse to en hadden van der reyse weghene, dat wy na en ghereden were in Vresch, do se leghen vor Golzwarden unde vor Esemessen, unde latet se unde ere borghere quyd, ledich unde los van aller daghe, de wy ... en hadden totosegghendende."
Die Kriegskosten der Bremer in den Kämpfen mit dem Stadlande und Butjadingen beliefen sich auf 1800 Bremer Mark (O. U. B. II, Nr. 624.)
.......................